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Ein Raum für E-Learning und Medien

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Christian Müller, Michael Hauser
Konzeption, Realisierung und Erfahrungen aus dem Pilotbetrieb im neuen Medienzentrum der Universität Passau

Zusammenfassung

1 Leave a comment on paragraph 1 0 Der vorliegende Artikel beleuchtet die Konzeption eines Schulungs- und Ver­anstaltungsraumes mit neuester Medientechnik und deren Integration in den Hochschulalltag. Anlass dafür gibt der Neubau eines Zentrums für Medien und Kommunikation (ZMK) an der Universität Passau und im Speziellen die Implementierung eines innovativen E-Learning-Labors. Die moderne Medientechnik umfasst hierbei Technologien zur Präsentation, Produktion und Kommunikation. Das ZMK dient der praktischen und theoretischen Ausbildung der Studierenden in den Medienstudiengängen und gleichzeitig als zentrale Dienstleistungseinrichtung im Bereich des E-Learnings und der Medienbildung. Im Qualifizierungs- und Betreuungsangebot „Digital Learning Media Pro“ (des InteLeC Zentrums der Universität Passau) wurden über ein Semester hinweg potentielle Einsatzszenarien vorgestellt, getestet und evaluiert. Neben der räumlichen und medientechnischen Konzeption werden in diesem Beitrag erste Erfahrungen mit dem neuen Angebot betrachtet.

1    Einleitung

2 Leave a comment on paragraph 2 0 Wenn heutzutage von Lern- oder Kursräumen gesprochen wird, so ist es nicht mehr selbstverständlich, dass dabei reelle Räume mit Wänden, Böden und Decken gemeint sind. Durch die stetig zunehmende Bedeutung digitaler Medien ist in aktuellen Lern- und Arbeitswelten sehr häufig von virtuellen Räumen die Rede (vgl. Arnold et al., 2011, S. 54).

3 Leave a comment on paragraph 3 0 In diesem Beitrag steht jedoch explizit die Gestaltung eines reellen Lernraumes im Vordergrund. Die konkrete Ausgestaltung des Bereiches für E-Learning im neu errichteten Medienzentrum an der Universität Passau gibt Gelegenheit, darüber nachzudenken, welche Auswirkung die gewachsene Bedeutung von virtuellen Räumen für die Gestaltung von zeitgemäßen Kurs- und Arbeitsräumen hat. E-Learning meint die Unterstützung von Lehr- und Lernprozessen durch digitale Medien und Werkzeuge. Die verschiedenen Facetten des E-Learnings bieten (für Lehrende und Lernende) zahlreiche Möglichkeiten, das Lehren bzw. Lernen zu optimieren. Trotz einer im Bereich des E-Learnings und des Medieneinsatzes sehr heterogenen Hochschullandschaft ist deutlich erkennbar, dass beide Bereiche in weiten Teilen nicht losgelöst voneinander betrachtet werden können, sondern sich letztendlich ergänzen und bedingen. „Mit dem Begriff ‚E-Learning‘ wird ein vielgestaltetes gegenständliches und organisatorisches Arrangement von elektronischen bzw. digitalen Medien zum Lernen, virtuellen Lernräumen und ‚Blended Learning‘ bezeichnet“ (Arnold et al., 2011, S. 18). An diese Definition wollen wir die Frage anschließen, wie reale Lernräume zur Unterstützung der Arbeit mit und in virtuellen Lernräumen gestaltet sein müssen. Traditionelle PC-Pools oder die starre Anordnung von Desktop-Rechnern in Reih und Glied passen nicht mehr zur propagierten Flexibilität heutiger Lehr- und Lernmethoden. „Es bedarf weitreichender Strategien, Strukturen und Überlegungen um die Potenziale von E-Learning für die Hochschule als Ganzes nutzbar zu machen“ (Kerres, 2012, S. 50). Die drei Komponenten Strategie, Struktur und Überlegung sollen nun anhand des Zentrums für Medien und Kommunikation erläutert werden.

2    Aufgaben- und Dienstleistungsspektrum (des ZMK)

4 Leave a comment on paragraph 4 0 Die Verwendung von Medien in Hochschulen fällt äußerst unterschiedlich aus. Insbesondere die Betrachtung der an Hochschulen existierenden Dienst­leistungseinrichtungen im Bereich E-Learning und Medien gibt kein sehr einheitliches Bild wieder. So sind es in vielen Fällen Bibliotheken und Rechenzentren, die in den letzten Jahren den Servicebereich E-Learning und digitale Medien übernommen haben. An einigen Hochschulen kam es zu Neu­gründungen ausgewiesener E-Learning- und Medienzentren aber auch schlichte Umwidmungen von Abteilungen, die mit diesen neuen Auf­gaben­feldern betreut werden, sind keine Seltenheit (Quelle AMH-Tagung 2013). Auch eine Verteilung auf einzelne Fachbereiche, Institute oder gar externe Einrichtungen ist an deutschen Hochschulen keine Seltenheit. Diese zum Teil unreflektierte Aufgabenzuweisung verhindert eine zentrale Verfügbarkeit der Angebote. Um jedoch gute und zeitgemäße Lehre unter Einsatz von neuen Medien anbieten zu können, sollten aus hochschulorganisatorischer Sicht zentrale Dienstleistungseinrichtungen existieren, die für alle Angehörigen einer Hochschule verfügbar sind und die ein entsprechendes tiefgreifendes Leistungsspektrum bieten (vgl. Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e. V., Arbeitsgruppe „Lernräume“). Natürlich sind an dieser Stelle auch Personal und Infrastruktur entscheidend dafür, wie umfassend ein solches Serviceangebot definiert sein kann.

5 Leave a comment on paragraph 5 0 Das neu geschaffene Zentrum für Medien und Kommunikation (ZMK) an der Universität Passau ist ein Gebäude, in dem sowohl die Medienausbildung des Studiengangs Medien und Kommunikation sowie der Lehramtsstudiengänge als auch die Belange der Medienbildung im Kontext von Lehre und Forschung für die gesamte Universität beheimatet sind. Das InteLeC-Zentrum der Universität Passau ist für den technischen Betrieb verantwortlich und bietet im Rahmen seiner mediendidaktischen Expertise zahlreiche Workshops und Weiter­bildungsmaßnahmen zu neuen und bewährten Lehr-/Lern-Methoden an. Begriffe wie Interaktion, Diskussion, Reflexion und vernetztes Lernen sowie die Verknüpfung von Präsenzlehre und E-Learning (Blended Learning) bestimmen das moderne Bild des E-Learnings und spiegeln sich in den fächerübergreifenden Angeboten und Mediendiensten wider.

3    Anforderungen und erste Planungen

6 Leave a comment on paragraph 6 0 Da insbesondere der Bereich E-Learning im ZMK eine zentrale Rolle als Dienst­leistungs­einheit für alle anderen Einrichtungen des Standortes Passau darstellt, wurden bei der Konzepterstellung für diesen neuen Bereich potenzielle Nutzer aus unterschiedlichen Fachbereichen involviert und deren Bedürfnisse bei der Konzeption und Planung berücksichtigt. In mehreren Stufen wurden Vertreter medienaffiner Fachbereiche befragt, welche Szenarien mit den neuen Räumlichkeiten umgesetzt werden sollen. Aus diesen Erkenntnissen sollte der E-Learning Bereich zusammengefasst folgenden Anforderungen im Lehr-/Lernbetrieb entsprechen:

17 Leave a comment on paragraph 17 0 Auf Grundlage dieser ersten Erkenntnisse fanden die weiteren Planungen statt. Die Gespräche mit den zukünftigen Nutzern machten ebenso deutlich, dass die Anforderungen an ein und denselben Bereich sehr unterschiedlich sind und es daher nicht ein starres Setting geben dürfe. Während Sportdidaktiker zum Beispiel die vorhandene Technik zur Analyse komplexer Bewegungsabläufe nutzen wollen, legen andere Fachbereiche ihren Fokus auf interaktive Webinare oder Videokonferenzen. Somit waren weitere Anforderungen gegeben, die übergeordnet zu den zuvor genannten Szenarien zu sehen sind; die der Flexibilität und Konnektivität. George Siemens hat den Begriff des Konnektivismus geprägt und ihn in die Diskussion um neue didaktisch-methodische Konzepte des E-Learning eingeführt. (vgl. Erpenbeck & Sauter, 2007, S. 156) Das strukturelle, strategische Konzept des ZMK berücksichtigt daher auch „die wachsende Tendenz der Lerner zu informellem, vernetzten und elektronisch gestütztem Lernen“ (Erpenbeck & Sauter, 2007, S. 159).

20 Leave a comment on paragraph 20 0 Abb. 1:    Entwurf des E-Learning-Raumes in zwei verschiedenen Nutzungen

21 Leave a comment on paragraph 21 4 Der Raum sollte also möglichst schnell und flexibel an sich ändernde Situationen anzupassen sein. Ein einfaches Beispiel dafür ist der in Abbildung 1 veranschaulichte Wechsel des Arbeitsmodus von Gruppenarbeit auf Frontalunterricht. Wie man gut erkennen kann, ermöglichen sowohl die mediale Ausstattung als auch das Mobiliar des Raumes viele unterschiedliche Anordnungen und Arbeitsmodi. Der Wechsel zwischen den einzelnen Settings soll sehr einfach und schnell erfolgen können weshalb in der Konsequenz zu dieser Anforderung bei der konkreten Planung darauf geachtet wurde, dass auch die Tische und Stühle im Raum entsprechend leicht, beweglich und funktionell sind. Schlanke, stapelbare Stühle, die jederzeit schnell zur Seite gestellt werden können und Tische, die mit Rollen versehen und zusammenklappbar sind, tragen dem Prinzip der Flexibilität Rechnung. Zusätzlich sind die Tische mit Steckdosenleisten ausgestattet, um die Anforderung der Konnektivität zu erfüllen.

22 Leave a comment on paragraph 22 0 In Bezug auf die mediale Ausstattung bedeutet Flexibilität und Konnektivität darüber hinaus, dass einerseits möglichst vielseitige Anschluss- und Ver­bindungs­­möglichkeiten mit den existierenden Geräten vorhanden sind und anderer­seits, dass sich vorhandene und eingespeiste Signale (z.B. Audio- und Videosignal eines Notebooks) flexibel schalten und im Raum anzeigen lassen. Ein kabelloses Präsentationssystem1 erlaubt die flexible Anzeige verschiedener Inhalte im gesamten Raum. Ein fest installierter Projektor sowie insgesamt fünf interaktive Displays, die sowohl über eine zentrale Steuerung als auch lokal mit Daten versorgt werden können, dienen im E-Learning-Labor als Präsentations- und Arbeitsflächen.

4    Technische Anforderungen und Lösungen im
Bereich E-Learning

23 Leave a comment on paragraph 23 0 Mit dem Ausbau der E-Learning-Aktivitäten an der Universität Passau wurden Grundlagen sowie erweiterte Möglichkeiten dafür geschaffen, den Einsatz neuer Medien in der Lehre zu verstärken und dies durch zusätzliche Aktivitäten und Dienstleistungen zu unterstützen. Der besonders ausgestattete E-Learning-Raum (mit ca. 70 qm) umfasst 21 Sitzplätze und erlaubt die Durchführung didaktisch-innovativer, mediengestützter Lehrveranstaltungen sowie die Erforschung neuer Lehr- und Lernszenarien. Der Raum bietet flexibel anpassbare Möglichkeiten zur Aufzeichnung und zur Live-Übertragung von Veranstaltungen. Die besonders herausragende und innovative Medienausstattung des Raumes steht allen Dozierenden der Universität Passau zur Verfügung, so dass diese den Spielraum zur Erprobung ihrer eigenen Lernkonzepte nutzen können.

24 Leave a comment on paragraph 24 0 Das an der Universität Passau etablierte InteLeC-Zentrum (Zentrum für E-Learning- und Campusmanagement) bietet Qualifizierungsangebote an, in denen sowohl der grundsätzliche Einsatz von digitalen Lernmedien demons­triert wird, als auch die potenziellen neuen Lernszenarien, die der neue Raum ermöglicht. Wie schon erwähnt ist der E-Learning-Raum mit flexiblem und leicht beweglichem Mobiliar ausgestattet, ermöglicht dadurch einen schnellen Wechsel von einer Sozialform zur anderen und schafft somit die räumlichen Voraussetzungen für eine kompetenzorientierte Lehre. Die Ausstattung erlaubt die Beobachtung und Untersuchung von gruppendynamischen Prozessen sowie die Erprobung und Verwendung neuer Medientechnologien im Unterricht.

25 Leave a comment on paragraph 25 0 Präsentationsflächen durch interaktive Whiteboards und Projektor

26 Leave a comment on paragraph 26 0 Die vorhandenen Präsentationsflächen sind modern und flexibel gestaltet und bilden die Grundlage für die Vorführung von Filmen und anderen bewegten oder bildhaften Medien in der Lehre, die Vorführung und Nutzung von computergestützten Inhalten, d.h. die Darstellung von hochauflösenden Bildschirminhalten, die Durchführung von Qualifizierungsangeboten zu Softwaresystemen und die Durchführung von Videokonferenzen.

27 Leave a comment on paragraph 27 0 In Zeiten von Cloud-Diensten und YouTube verschiebt sich die Bereitstellung fast sämtlicher Informationen zunehmend ins Web. „Der Einsatz von Medien bietet also ein großes Potenzial, um Lernen effektiv zu unterstützen, durch die Kombination von Medien können Sachverhalte vollständiger – z.B. dynamisch – dargestellt werden, als dies mit Einzelmedien möglich ist.“ (Arnold et al., 2011, S. 153) Dem Rechnung tragend ist eine zur primären Präsentationsfläche zusätzlich zur Verfügung stehende Anzeigefläche für Internetinhalte ein immer häufiger eingesetztes Mittel, beispielsweise

  • 29 Leave a comment on paragraph 29 0
  • •   zur dauerhaften Anzeige der Agenda oder des Konferenzprogramms auf einem zweiten Bildschirm, während das Vortragsprogramm auf dem primären Beamer läuft,

33 Leave a comment on paragraph 33 0 In der konkreten Umsetzung im E-Learning-Labor sind neben dem Projektor zusätzlich fünf interaktive Whiteboards (IWB) integriert. Durch die ­integrierte Touchfunktionalität und die entsprechende Software im dazugehörigen Rechner­modul können diese Geräte die Funktionen einer interaktiven Tafel (wie z.B. Smartboard) übernehmen. Dadurch ist der Anschluss weiterer Geräte (Notebook oder Peripherie) nicht erforderlich.

34 Leave a comment on paragraph 34 0 Die Screens bieten den Nutzern des Raumes weitere Präsentations- und Inter­aktions­flächen und erweitern dadurch die denkbaren Lehr-/Lernszenarien enorm. Vier der IWBs werden an den noch freien Flächen des Raumes angebracht. Das fünfte Gerät ist mobil (auf Rollen) einsetzbar.

35 Leave a comment on paragraph 35 0 Notebooks und Tabletgeräte

36 Leave a comment on paragraph 36 0 Für das E-Learning-Labor ist eine Grundausstattung mit Notebooks und Tablet­geräten vorhanden. Die Geräte sind in einem speziell angefertigten Ladeschrank ver­wahrt und werden bei Bedarf durch die Veranstaltungsleiter ausgegeben. Die Geräte sind sowohl für Qualifizierungsmaßnahmen oder die Erprobung neuer Softwareanwendungen im Unterricht als auch für die Durchführung von E-Klausuren geeignet und vorgesehen.

37 Leave a comment on paragraph 37 0 Mit dieser Ausstattung ist eine Grundversorgung der Teilnehmer sichergestellt und gewährleistet, dass alle über den gleichen technischen Stand verfügen. Dadurch sind Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich von E-Learning-Kompetenzen besonders in Bezug auf spezielle Software einfacher möglich.

38 Leave a comment on paragraph 38 0 Videoaufzeichnung, -konferenz und Regieplatz

39 Leave a comment on paragraph 39 0 Zur Videoaufzeichnung von Übungsszenarien oder ganzen Veranstaltungen und zur Durchführung von interaktiven Video- und Webkonferenzen sind an der Decke des E-Learning-Raums insgesamt drei Kameras installiert, die im 1080i-Format betrieben werden. Eine Kamera ist an der rückwärtigen Wand angebracht und hauptsächlich für die Aufnahme des Dozenten vorgesehen; eine weitere Kamera ist an der Seitenwand installiert und kann sowohl den Dozenten als auch den Raum im Überblick aufzeichnen; die dritte Kamera ist an der Frontwand angebracht und übernimmt die Aufgabe, den Raum aus Sicht des Dozierenden einzufangen. Die Standorte der Kameras sind so gewählt, dass auch hier wieder eine möglichst große Flexibilität erreicht wird. Sowohl Vortragssituationen als auch Gruppenarbeiten lassen sich im gewählten Setting gut aufzeichnen. Die Kameras sind steuerbar, gleichzeitig aber mit festen Voreinstellungen (Presets) belegt, so dass die Ansteuerung auch bequem über die intuitive Mediensteuerung möglich ist.

40 Leave a comment on paragraph 40 0 Der Regieplatz befindet sich im hinteren Bereich des E-Learning-Labors und stellt einen besonderen Arbeitsplatz dar, der mit der Steuerungseinheit für die fest installierten Kameras ausgestattet ist und die zusätzlich erforderliche Hardware für Livemitschnitte und -aufzeichnungen bereitstellt. Die Bedienung der Kameras und der Audioanlage erfolgt vom Regieplatz aus durch speziell geschultes Personal und ermöglicht es, professionelle hochqualitative Aufnahmen und Livesitzungen zu erzeugen. Am Regieplatz sind alle im Raum und im gesamten Medienzentrum existierenden Eingangssignale (Kameras, Notebooks der Vortragenden, IWB (Screens), Audiosignale etc.) verfügbar und können live gemischt, aufgezeichnet und übertragen werden.

41 Leave a comment on paragraph 41 0 Touchscreen für Gruppenarbeit

42 Leave a comment on paragraph 42 0 An einer Seitenwand und der Rückwand des E-Learning-Labors werden insgesamt vier Touchscreens mit integriertem Rechner montiert und in die Medien­steuerung des Raumes eingebunden, so dass die Signale (Audio- und Video­signal) eines Bildschirms nach vorne auf den Hauptschirm, auf einen der beiden Beamer oder gleichzeitig auf alle Darstellungsgeräte schaltbar sind.

43 Leave a comment on paragraph 43 0 Um der Vielfalt von Studierenden entgegen zu kommen, müssen auch die Hoch­schulen dementsprechend reagieren. In Anbetracht steigender Medien­nutzung und unter der Voraussetzung einer konstruktivistischen Lernkultur werden lehrerzentrierte und präsenzorientierte Unterrichtsformate künftig an Bedeutung verlieren und die Arbeit in Projektgruppen gleichzeitig zunehmen. (vgl. Kerres 2012, S. 44ff.) Die hochmodernen und vernetzten Touchscreens stehen Dozierenden, Studierenden und Projektgruppen zur Planung, Organisation und Durchführung ihrer Aufgaben zur Verfügung. Sie können diese Geräte als Präsentations- und Recherchetools nutzen, ohne die Notwendigkeit – aber mit der Möglichkeit – ein eigenes Gerät anzuschließen.

45 Leave a comment on paragraph 45 0 Die Anforderungen an die Audioanlage des E-Learning-Labors müssen professionellen Ansprüchen genügen, da bei der Übertragung und Aufzeichnung von Veranstaltungen die Audioqualität ein entscheidendes Qualitätsmerkmal darstellt.

46 Leave a comment on paragraph 46 0 Das E-Learning-Labor muss für Aufzeichnung und Wiedergabe von Audio mit besonderer Hardware ausgestattet sein. Die Wiedergabe betrifft insbesondere das Ab- und Einspielen von Medien. Für die Hauptpräsentationsflächen an der Front des E-Learning-Labors ist ein Surround-System installiert. Konzeptioneller Hintergrund ist die Simulation möglichst realer und praxisnaher Situationen im E-Learning-Labor herzustellen zu können. Mit Hilfe einer umfassenden und authentischen Beschallung der Teilnehmer kann so eine Immersion erreicht werden.

47 Leave a comment on paragraph 47 0 Die Aufzeichnung ist vor allem für das gesprochene Wort im Raum relevant und erfordert eine sehr gute Audioqualität, da Veranstaltungen live übertragen aber auch dauerhaft gespeichert werden können und dabei vor allem die Audioqualität mit das wichtigste Qualitätskriterium für das Medienprodukt bildet. Dabei sind nicht nur die Dozierenden bei Aufzeichnungen von Bedeutung, sondern auch deren Interaktion mit dem Auditorium bzw. die Interaktion innerhalb des Auditoriums. Gruppendiskussionen können mit Hilfe spezieller Tischmikrofone aufgezeichnet und direkt mit dem Bild der Kameras synchronisiert werden.

48 Leave a comment on paragraph 48 0 Erfordernis einer Mediensteuerung

49 Leave a comment on paragraph 49 0 Die Ausstattung des E-Learning-Labors ist flexibel schaltbar, so dass vorhandene Audio- und Videosignale im gesamten Zentrum für Medien und Kommunikation verfügbar und miteinander vernetzt sind. Eine zentrale Mediensteuerung zur Schaltung der vorhandenen Medientechnik ist über eine intuitiv gestaltete Bedieneinheit sichergestellt. Das Bedienkonzept sieht zwei Modi vor: die Bedienung über zweckmäßig gestaltete Presets durch die Dozierenden selbst, und die Bedienung in einem Expertenmodus durch entsprechend geschultes Personal. Folgende Preset-Einstellungen können gewählt werden: Presentation, IWB (Smart), Cinema, Web Presentation, Web Conference, Video Conference. Trotz vorkonfigurierter Einstellungen, wie zum Beispiel einer automatischen Aktivierung aller interaktiven Displays im IWB (Smart) Modus, ist es in fast allen Modi möglich, diese Voreinstellungen an die spezifischen Bedürfnisse anzu­passen.

51 Leave a comment on paragraph 51 0 Abb. 2:    Ablauf „Digital Media Learning Pro“

5    Qualifizierungs- und Betreuungskonzept:
Digital Learning Media Pro

52 Leave a comment on paragraph 52 0 Zum Wintersemester 2013/14 wurde der E-Learning-Bereich erstmalig im Pilotbetrieb in einem Qualifizierungs- und Betreuungskonzept mit dem Titel „Digital Learning Media Pro“ (DLMP) intensiv genutzt. Digital Learning Media Pro ist ein Programm des InteLeC-Zentrums und richtet sich primär an alle Lehrenden der Universität Passau, die digitale Medien in ihrer Lehre einsetzen möchten (vgl. InteLeC 2013). Das Programm vereint erstmalig – anders als viele existierende Angebote – den Bereich der Medienproduktion und der Mediendidaktik und legt somit den Schwerpunkt auf E-Learning und Medien.

53 Leave a comment on paragraph 53 0 Das Qualifizierungskonzept DLMP ist in vier Phasen unterteilt (siehe Abb. 2). Eine Eröffnungsveranstaltung zu Beginn des Programms hat die Teilnehmer grundlegend über die Angebote und Möglichkeiten rund um das neu geschaffene Zentrum für Medien und Kommunikation informiert. Darüber hinaus wurde das Konzept „Digital Learning Media Pro“ ausführlich vorgestellt und die Erwartungen aus Teilnehmer- und Betreuersicht besprochen. In einer zweiten Phase fanden drei Basis-Workshops zu den übergeordneten Themen E-Learning-Systeme, Audiotechnik und Videotechnik statt. Ziel dieser Phase war es, die Teilnehmer für die selbstständige Nutzung des ZMK-E-Learning-Raums zu qualifizieren und den didaktischen Einsatz digitaler Lernmedien über die E-Learning-Systeme der Universität Passau kennenzulernen. Die Vermittlung technischer Grundkenntnisse, das Verständnis, bild- und filmästhetische Mittel sinnvoll anzuwenden und die Vertrautheit mit den hochmodernen Audio- und Videotechniksystemen stellen einen notwendigen Abschnitt im Qualifizierungsprogramm dar. Parallel zu den Workshops realisierten die TeilnehmerInnen individuelle Medienprojekte im Rahmen ihrer Lehre, bei denen die technischen und didaktischen Potentiale im E-Learning-Bereich des neuen Zentrums für Medien und Kommunikation (ZMK) erprobt und genutzt wurden. Das InteLeC-Zentrum stand semesterbegleitend mit weitreichenden Supportangeboten zur Seite. Abhängig vom jeweils erarbeiteten Medienprojekt standen den Teilnehmern in der dritten Phase vertiefende Projekt-Workshops zu Themen wie Podcasting in der Lehre, Audience Response Systeme, Interaktive Whiteboards oder Webinare und Videokonferenzen zur Auswahl. Abschließend wurden alle im Rahmen des Betreuungs- und Qualifizierungskonzepts erfolgreich durchgeführten Projekte vorgestellt sowie gemeinsam diskutiert und reflektiert.

54 Leave a comment on paragraph 54 0 Evaluationsergebnisse

55 Leave a comment on paragraph 55 0 Im Zuge des Qualifizierungskonzepts DLMP wurden alle Basis- und Projekt­workshops anonym evaluiert. Auch wenn die Anzahl der TeilnehmerInnen nicht die Fülle an Daten liefert, um empirisch fundierte Aussagen zu treffen, so war dieses Feedback anhand der Kurzevaluationen doch wichtig für den weiteren Verlauf des Angebots. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass die Atmospähre, in der die Workshops stattgefunden haben, durchweg als angenehm empfunden wurde. Der ein oder andere Teilnehmer bzw. die ein oder andere Teilnehmerin hatte anfangs noch Bedenken und ‚Angst‘, überfordert zu sein; das hat sich über die Workshops hinweg gelegt und ist in Interesse und Motivation für den Einsatz neuer Medien in der Lehre übergegangen. „Die Möglichkeit das Gelernte sofort anzuwenden und ausprobieren zu können“, wurde auf Teilnehmerseite immer wieder betont. Die Verzahnung von Theorie und Praxis scheint somit gut gelungen und die theoretisch erarbeiteten Mehrwerte konnten ad hoc in praktische Erfahrungen umgewandelt werden. Dank der regelmäßigen Präsenztermine entstand über das Semester hinweg ein Wissens- und Expertennetzwerk, das sich rege ausgetauscht und viele neue Erkenntnisse gewonnen hat. Ein ‚Kritikpunkt‘ wurde über die Evaluationen hinweg jedoch vermehrt geäußert. Nahezu alle TeilnehmerInnen haben großes Interesse an den rechtlichen Rahmenbedingungen im Umgang mit elektronischen Medien und Formaten kundgetan. Auch wenn bzw. gerade weil die Rechtslage in diesen Belangen nicht immer eindeutig ist, muss diese Thematik in Zukunft mehr in den Blick genommen werden. Hier können wir uns eine verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der hauseigenen juristischen Fakultät vorstellen.

6    Erfahrungen und Fazit

56 Leave a comment on paragraph 56 0 Das Workshop-Angebot „Digital Learning Media Pro“ wurde sehr gut angenommen und das Interesse an der Nutzung der neuen Möglichkeiten im Zentrum für Medien und Kommunikation ist fächerübergreifend sehr hoch. Unter Umständen mag zwar ein gewisser Neuigkeitseffekt eine Rolle spielen, jedoch wünschen sich auch die Absolventen des Workshop-Programms Digital Learning Media Pro, nach einem Semester wöchentlicher Workshops, weitere Angebote dieser Art. Daher ist nicht davon auszugehen, dass es sich lediglich um Neuigkeitseffekte handelt, sondern eher um echtes Interesse und vor allem einen damit verbundenen Mehrwert für die Lehre.

57 Leave a comment on paragraph 57 0 Die angestrebte Flexibilität und Konnektivität konnte erreicht werden. Dies zeigten erste Erfahrungen der Nutzer. Nach einem Semester im Lehrbetrieb wurde auch sofort klar, dass der Raum aufgrund der flexiblen Gestaltung sehr viele Freiräume für eine eigene kreative Nutzung lässt. Insbesondere die vorhandenen interaktiven Whiteboards konnten in vielen Fällen in Übungen und Seminaren als sinnvolle Präsentations- und Recherchewerkzeuge dienen.

58 Leave a comment on paragraph 58 0 Ebenso sind Übertragungen von und zu anderen Hochschulstandorten, Institutionen oder Kooperationspartnern ein sehr attraktives und häufig nachgefragtes Szenario, das in Zukunft auch viele spannende und innovative An­wen­dungen vermuten lässt.

59 Leave a comment on paragraph 59 0 Aus technischer Sicht ist insbesondere erwähnenswert, dass das Wunschdenken, einen Raum zu schaffen, der völlig ohne technischen Support auskommt, oft nicht zu erreichen ist. Obwohl die Raum- und Mediensteuerung zwar sehr stark abstrahieren und vom Ansatz her grundsätzlich alle technischen Voreinstellungen für ein bestimmtes Szenario treffen kann, hat sich im täglichen Betrieb auch gezeigt, dass technische Ansprechpartner in greifbarer Nähe sein sollten. Nachdem sich dieses Projekt noch in der Installations- und Konfigurationsphase befand, ist davon auszugehen, dass die Notwendigkeit eines technischen Supports mit der Zeit weniger oft in Anspruch genommen werden muss.

60 Leave a comment on paragraph 60 0 Das zentrale Anliegen des Bereiches E-Learning war die Verknüpfung von virtuellen Räumen und Medien. Im vorliegenden Kontext sind damit vor allem webbasierte Systeme (z.B. Lernplattformen) und Medientechnologien aus dem Bereich der Medien- und Studiotechnik gemeint. Beide Bereiche haben oft sehr unterschiedliche technische Anforderungen, was besonders bei der vorhandenen Videotechnik auffiel und teilweise zu Problemen führte. Die Kameratechnik, die mit hochauflösenden Bildern arbeitet, lässt sich nicht immer ohne weiteres in webbasierte Systeme integrieren. So ist ein häufiger Anwendungsfall die Verwendung von Web-Konferenzsystemen2. Die aufgetretenen Probleme sind zwar technisch durchaus zu lösen, zeigen aber auch gleichzeitig die noch nicht stattgefundene Annäherung der Bereiche Medien und E-Learning.

61 Leave a comment on paragraph 61 0 Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Interesse an dem neu entstandenen Funktionsbereich E-Learning sehr hoch ist. Durch die dort nun zur Verfügung stehende Infrastruktur und die darin angebotenen und abgestimmten Workshop-Angebote lässt sich nicht nur ein existierender Bedarf decken, sondern es wird gleichzeitig auch die Neugier und der Anspruch auf Seiten der Dozenten geweckt, ihre Lehre abwechslungsreicher und moderner zu gestalten.

Literatur

62 Leave a comment on paragraph 62 0 AMH (2013). Frühjahrstagung des Arbeitskreises Medienzentren an Hochschulen.

63 Leave a comment on paragraph 63 0 Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e. V., Arbeitsgruppe „Lernräume“ (2013). Die Hochschule zum Lernraum entwickeln. URL: http://d-nb.info/1043590714/34 [14.05.2014].

64 Leave a comment on paragraph 64 0 Denecke, J., Kiel, H.-U., Müller, W., Ottow, S., Rust, J. & Zimmer, S. (2011).Technische Information Multimedia-Räume. Hinweise zur baulichen Umsetzung. TI-MMR-2011. URL: vcc.zih.tu-dresden.de/files/vc/raumbeschreibung/bauliche-umsetzung-multimediaraeume.pdf [28.03.2014].

65 Leave a comment on paragraph 65 0 Erpenbeck, J. & Sauter W. (2007). Kompetenzentwicklung im Netz. New Blended Learning mit Web 2.0. Köln: Luchterhand.

66 Leave a comment on paragraph 66 0 InteLeC-Zentrum. Workshops – Digital Learning Media Pro. Universität Passau. URL: http://www.intelec.uni-Passau.de/e-learning-und-medien/workshops/digital-learning-media-pro/ [28.03.2014].

67 Leave a comment on paragraph 67 0 May, A. (2012). Lebendige Lernorte. Ergebnisse der DINI-Umfrage „Neugestaltung von Lernräumen an Hochschulen“. Vortrag im Rahmen des Bibliothekartages HH am 23.05.2012.

68 Leave a comment on paragraph 68 0 1   Clickshare des Anbieters Barco (http://www.barco.com).

69 Leave a comment on paragraph 69 0 2   In der Pilotphase wurde die Adobe Connect Installation des DFN verwendet.

Source: http://2014.gmw-online.de/447/