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Mit Weiterbildung Medienkompetenz fördern und Hochschule mitgestalten

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Carola Brunnbauer

Zusammenfassung

1 Leave a comment on paragraph 1 0 Dieser Erfahrungsbericht stellt das Konzept der verpflichtenden zweistufigen „Weiterbildung Medienkompetenzen“ für in der Lehre und Forschung tätige Mitarbeitende an der Pädagogischen Hochschule Zürich vor. Ausgehend von ersten Erfahrungen mit der Durchführung von Pilotkursen in zwei Fachbereichen beleuchtet er Spannungsfelder, die sich aufgrund der Rahmenbedingungen ergeben, und analysiert Gelingensbedingungen für die Weiterentwicklung.

1    Weiterbildungskonzept

2 Leave a comment on paragraph 2 0 Das Studienmodell NovaFlex1 mit deutlich reduzierter Präsenzzeit, das Projekt „Studi-Laptops“2 und die technische Infrastruktur am neuen Campus sind nur einige Entwicklungen, welche neue Anforderungen an die Mitarbeitenden der Pädagogischen Hochschule Zürich stellen. Um Wissen, Können sowie Haltungen im Umgang mit Medien zu fördern, hat die Leitung der Hochschule verbindliche Weiterbildungsmaßnahmen beschlossen und die nötigen finanziellen und zeitlichen Ressourcen dafür zugesprochen. Im Sinne einer umfassenden akademischen Medienkompetenz (vgl. Reinmann, Hartung & Florian, 2013) sollen die Mitarbeitenden befähigt werden, Medien didaktisch sinnvoll und zielgerichtet in Lehre, Weiterbildung und Forschung einzusetzen, die ICT-Infrastruktur zur Administration, Organisation und Kommunikation zu nutzen sowie vereinbarte medienbasierte Prozesse einzuhalten. Die Umsetzung erfolgt in zwei aufeinander aufbauenden Bausteinen, den „Basiskompetenzen Mediennutzung“ und der „Weiterbildung Mediendidaktik in den Fachbereichen3“.

1.1   Basiskompetenzen Mediennutzung

3 Leave a comment on paragraph 3 0 Mit dem eigens entwickelten „Kompetenzraster Mediennutzung“ haben die Mitarbeitenden ein Instrument zur individuellen Selbsteinschätzung zur Verfügung. Dabei geht es einerseits um mediengestützte Abläufe im administrativen Bereich (Infrastruktur und Geschäftsprozesse), andererseits um die Nutzung der zur Verfügung gestellten Software (Basiskompetenzen Anwendungssoftware) und schließlich um vorwiegend medientechnische Kompetenzen im Umgang mit dem Learning-Management-System ILIAS. Die Beherrschung der AV-Technik und die Nutzung spezifischer Tools für Stundenplan, Ressourcenmanagement, Zeitleistungssystem, Raumbuchung, Fileserver, etc. sind für die Tätigkeit an der Hochschule unverzichtbar.

4 Leave a comment on paragraph 4 0 Bei Eintritts- und Standortbestimmungsgesprächen werden mithilfe des Rasters fehlende Kompetenzen ermittelt und der Besuch von darauf abgestimmten Kursangeboten oder eine Erarbeitung im Selbststudium vereinbart. Wenn möglich, sollte die Auseinandersetzung mit den Basiskompetenzen als individuelle Weiterbildung vor dem zweiten Baustein, der Weiterbildung Mediendidaktik, erfolgen.

1.2   Weiterbildung Mediendidaktik in den Fachbereichen

5 Leave a comment on paragraph 5 0 Aufbauend auf die Basiskompetenzen Mediennutzung greift die Weiterbildung im Fachbereich mediendidaktische Fragen auf und vertieft sie. Thematisiert werden der Einsatz von Medien zur Wissensvermittlung im Rahmen des selbst­organisierten Lernens, die Verwendung von Werkzeugen zur Kommunikation (z.B. für die Betreuung von Studierenden oder Teams) und Kooperation. Es geht aber auch darum, die Lehrenden und in weiterer Folge die Studierenden fit zu machen für den Lehrplan 214, in dem ICT und Medien als fächerübergreifende Themen definiert sind. Neben der Nutzung digitaler Medien aus hochschuldidaktischer Perspektive spielen auch Medieneinsatz und Medienbildung auf der Zielstufe sowie Medien in der Fachdidaktik eine Rolle.

6 Leave a comment on paragraph 6 0 Dafür hat das Digital Learning Center (DLC)5 gemeinsam mit dem Weiter­bildungs­bereich Medienbildung der PH Zürich ein Blended-Learning-Szenario konzipiert. Es umfasst drei Präsenztage (ein ganzer Tag und zwei Halbtage) und zwei Online-Phasen mit einem Workload von insgesamt 32 Stunden. In diesem hybriden Setting erleben die Dozierenden mediengestützte Lernszenarien selbst und werden sich dabei der pädagogischen und methodisch-didaktischen Möglichkeiten von E-Learning bewusst. Ziel ist eine enge Verknüpfung von Erfahrungswissen, eigenem Tun und Reflexion. So lernen die Teilnehmenden Werkzeuge nicht nur theoretisch kennen, sondern nutzen sie in konkreten Anwendungsbereichen. Ein besonderer Stellenwert kommt der Planung und Durchführung eines eigenen kleinen Projekts zu. Die Mitarbeitenden stellen Überlegungen an, ob und wie sich mit dem Einsatz digitaler Medien Lehre und Forschung verbessern lassen. Erfolgreiche Umsetzungen, aber auch das Scheitern und die Suche nach möglichen Ursachen sind Gegenstand einer abschließenden Reflexion.

7 Leave a comment on paragraph 7 0 Das Konzept sieht vor, dass einzelne Programmpunkte jeweils vom Fachbereich mitbestimmt werden können. Dazu zählen beispielsweise die Vorstellung und Analyse ausgewählter mediendidaktischer Szenarien, die an der Pädagogischen Hochschule Zürich bereits erfolgreich durchgeführt werden, und Workshops, welche neben den methodisch-didaktischen Einsatzmöglichkeiten auch Hand­lungs­kompetenzen fokussieren. Dabei soll auf die Bedürfnisse der Fächer, die Zusammensetzung im Fachbereich (Ausbildung, Weiterbildung, Lehre oder Forschung) Rücksicht genommen werden.

2    Pilotphase mit zwei Fachbereichen

2.1   Erste Erfahrungen

8 Leave a comment on paragraph 8 0 Zwischen August 2013 und März 2014 absolvierten mit „Geografie“ sowie „Berufswahlkunde und Berufsbildung“ zwei Fachbereiche den Baustein Weiterbildung Mediendidaktik. Während dieser Pilotphase ließen sich wichtige Erkenntnisse gewinnen und das Programm konnte konsolidiert werden.

9 Leave a comment on paragraph 9 0 Die Durchführung wurde und wird auch künftig von einer kurzen Evaluation begleitet. Ziel ist es zu erfahren, wie erfolgreich die Weiterbildung umgesetzt werden konnte. Wesentliche Fragen dabei sind, ob die Teilnehmenden ihre Medienkompetenz verbessern konnten, ob Inhalte und Aufträge als nützlich erlebt wurden, wie groß der Workload und die Erfahrungen mit den Online-Phasen waren und welche Defizite und Ansprüche über die Weiterbildung hinaus bestehen. Die bisherige Evaluation erfolgte entweder als anonyme Umfrage in ILIAS oder mithilfe eines Audience-Response-Systems jeweils am Ende des dritten Präsenztages. 14 Teilnehmende beantworteten die Fragen, was einem Rücklauf von 82% entspricht. Beide Fachbereiche haben sich freiwillig für die Pilotphase gemeldet, sodass die Akzeptanz unter den Dozierenden entsprechend hoch war. Die Ergebnisse bestätigen zwar einen Kompetenzzuwachs, bedingt durch die große Bandbreite im Vorwissen waren jedoch nicht alle Inhalte für alle gleich relevant. Kritisiert wurde, dass die Stofffülle zu groß war und die Zeit für individuelles Vertiefen und auch eine spätere Umsetzung fehlt, wobei die Auffassungen zu Umfang und Tempo sehr unterschiedlich waren. Besonders geschätzt wurden jeweils die Atmosphäre im Kurs selbst, die Erfahrungen mit dem eigenen Projekt und die persönliche Betreuung. Alle Teilnehmenden merkten an, dass sie künftig vermehrt Beratungsangebote des DLC in Anspruch nehmen wollen und sich bei Fragen Unterstützung holen werden.

2.2   Herausforderungen und Chancen

10 Leave a comment on paragraph 10 0 Durchführung im Fachbereich: Die Organisation der Weiterbildung Medien­didaktik in den Fachbereichen führt dazu, dass die Gruppen hinsichtlich der vorhandenen Kompetenzen oder ihrer Erfahrungen mit E-Learning sehr heterogen sind. Hinzu kommt, dass das Zugehörigkeitsgefühl zu einem Fachbereich unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Schließlich gehen mit der Tätigkeit in verschiedenen Studiengängen andere Erwartungen an den Einsatz digitaler Medien einher, sowohl aus hochschuldidaktischer Sicht als auch auf der Zielstufe. Der Vorteil dieser Organisationsform liegt jedoch darin, dass Dozierende aus Ausbildung, Weiterbildung und Forschung gemeinsam an ihren Fachthemen arbeiten können, die Inhalte auf fachbereichsspezifische Bedürfnisse zugeschnitten sind und die Weiterbildung im Idealfall zum Auslöser gemeinsamer Diskussionen wird.

11 Leave a comment on paragraph 11 0 Obligatorische Teilnahme: Die Weiterbildung ist für alle Dozierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitenden ab einem Anstellungsgrad von 30% verpflichtend, was von vielen begrüßt wird, aber auch Widerstände auslösen kann. Eine Teilnahme während des Hauptsemesters führt unweigerlich zu einer Mehrbelastung. Dies erfordert Flexibilität und Verständnis auf allen Seiten.

12 Leave a comment on paragraph 12 0 Bezeichnung und Ausrichtung: Der Titel „Mediendidaktik in den Fachbereichen“ verweist bereits stark auf Medienkompetenzen für Lehre und Lernen. Und tatsächlich ging es im Konzept vor allem darum, den Austausch zwischen Studierenden und Dozierenden mediendidaktisch zu gestalten. Für Forschung und wissenschaftliches Arbeiten greift eine reine Ausrichtung an mediendidaktischen Kompetenzen für die Lehre allerdings zu kurz. Hier sind unter anderem der kompetente Umgang mit Kommunikations- und Kooperationswerkzeugen, die Recherche, das Erheben, Strukturieren und Auswerten von Daten, Publi­kation und die Vernetzung untereinander (vgl. Reinmann, Hartung & Florian, 2013) wichtig.

13 Leave a comment on paragraph 13 0 Verknüpfung der beiden Bausteine: Die Basiskompetenzen Mediennutzung und die Weiterbildung Mediendidaktik liegen in unterschiedlichen Verant­wortungsbereichen. Die Zusammenhänge sind noch nicht für alle Lehrenden ersichtlich und einzelne Bereiche im Kompetenzraster werden hinterfragt.

14 Leave a comment on paragraph 14 0 Planung und Inhalte: Inhaltlich geplant werden Teile der Weiterbildung in enger Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern der einzelnen Fachbereiche. Damit sollte der Tatsache Rechnung getragen werden, dass es Fachbereiche gibt, welche digitale Medien häufiger einsetzen als andere, oder sich in einem Fachbereich bestimmte Nutzungsformen etabliert haben (vgl. Haug, 2010). Gleichzeitig können Spezifika der Fachdidaktiken besser berücksichtigt werden. Die Akzeptanz des Einsatzes digitaler Medien ist oftmals grösser, wenn Mitglieder des eigenen Faches ihre Good-Practice-Beispiele und positiven Erfahrungen vorstellen.

15 Leave a comment on paragraph 15 0 Besondere Anforderungen der Lehrerinnen- und Lehrerbildung: Neben dem konkreten Einsatz digitaler Medien in der Durchführung von Lehrveranstaltungen an der Hochschule will die Weiterbildung Mediendidaktik sowohl eine inte­grierte Medienbildung, wie sie im Lehrplan 21 vorgesehen ist, thematisieren als auch Fachdidaktik und Zielstufe im Auge behalten. Des Weiteren geht es um eine Verknüpfung von Methode und Inhalt, indem die eingesetzten Methoden zum Lerngegenstand werden (vgl. Reinmann, 2011). Die Weiterbildung soll unter anderem eine Diskussion zu digitalen Medien als Seminar- und Ausbildungsthema (vgl. Schiefner-Rohs, 2011) anstoßen, was wiederum zur Modul- und Studiengangsentwicklung beiträgt.

16 Leave a comment on paragraph 16 0 Personalentwicklung und Zusammenarbeit: Mit der obligatorischen Weiter­bildung Medienkompetenzen signalisiert die Pädagogische Hochschule Zürich, dass sie Wert auf mediendidaktisch und -pädagogisch ausgebildete Dozierende legt und aktiv darauf Einfluss nimmt. Neben der Sensibilisierung für das Thema ergeben sich über die Weiterbildung verschiedene Dimensionen der Zusammen­arbeit. Klar ausgewiesen ist die Beteiligung von Dozierenden aus dem Bereich Weiterbildung Medienbildung, aber auch die Expertise des Zentrums für Hochschuldidaktik kann genutzt werden. Insofern leistet die Weiterbildung auch einen Beitrag zur Vernetzung.

3    Fazit

17 Leave a comment on paragraph 17 0 Aufgrund des Konzeptes, der bisherigen Erfahrungen und der oben angestellten Überlegungen zu Spannungsfeldern und Chancen lässt sich folgendes Fazit ziehen:

  • 18 Leave a comment on paragraph 18 0
  • •   Die Zuständigkeiten müssen klar kommuniziert, Begründungen und Ver­bindungen für alle nachvollziehbar herausgearbeitet werden.
  • 19 Leave a comment on paragraph 19 0
  • •   Es braucht viel Flexibilität von den Kursleitenden, da einheitliche Pro­gramme und Inhalte für die unterschiedlichen Fachbereiche nur bedingt möglich sind.
  • 21 Leave a comment on paragraph 21 0
  • •   Die „Weiterbildung Mediendidaktik“ kann nur eine Diskussion anstoßen und eine Palette von Möglichkeiten auftun und begründen, darf aber nicht versuchen, Lehrende zu überzeugen oder zu bekehren,
  • 22 Leave a comment on paragraph 22 0
  • •   Obwohl ein Großteil der in der Forschung an der PH Zürich tätigen Personen auch Lehraufträge hat, müssen deren Anforderungen künftig noch mehr berücksichtigt werden.

23 Leave a comment on paragraph 23 0 Um zu garantieren, dass die Weiterbildung bei den Lehrenden auf Akzeptanz stößt, wird der Zyklus aus Vorabklärungen, Durchführung und Reflexion auch nach der Pilotphase beibehalten. Die „Weiterbildung Mediendidaktik“ unterliegt einer laufenden Entwicklung und hoher Adaptivität.

Literatur

24 Leave a comment on paragraph 24 0 Haug, S. (2011). Die Bedeutung von Fachspezifik in E-Learning-Support & Praxis. eteaching.org. Verfügbar unter: http://www.e-teaching.org/didaktik/theorie/hochschuldidaktik/Langtext_Fachspezifik_181011.pdf (Stand 27.03.2014).

25 Leave a comment on paragraph 25 0 Reinmann, G. (2011). Blended Learning in der Lehrerausbildung: Didaktische Grund­lagen am Beispiel Lehrkompetenzförderung. Seminar – Lehrerbildung und Schule, 3, 7–16.

26 Leave a comment on paragraph 26 0 Reinmann, G., Hartung, S. & Florian, A. (2013). Akademische Medienkompetenz im Schnittfeld von Lehren, Lernen, Forschen und Verwalten. Verfügbar unter: http://gabi-reinmann.de/wp-content/uploads/2013/07/AkademischeMedienkompetenz_Reinmann_Hartung_Florian.pdf.

27 Leave a comment on paragraph 27 0 Schiefner-Rohs, M. (2011). E-Learning in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung – Veränderte Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen. Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung, 29(2), 260–271. Verfügbar unter: http://www.bzl-online.ch/archivdownload/artikel/BZL_2011_2_260-271.pdf (Stand: 27.03. 2014).

28 Leave a comment on paragraph 28 0 1   http://www.phzh.ch/de/Ausbildung/Primarstufe/Studienformen/NovaFlex/

29 Leave a comment on paragraph 29 0 2   https://stud.phzh.ch/Dienstleistungen/digital-learning-center/Studi-Laptops/

30 Leave a comment on paragraph 30 0 3   Neben der Organisation in Abteilungen und Bereichen bilden 22 Fachbereiche die wissenschaftlich fundierte Basis der PH Zürich. Die Fachbereiche sind Träger des fachlichen Wissens, verteilen fachliche Informationen, diskutieren fachliche Aspekte und leisten so das Wissensmanagement in ihrem Fachbereich.

31 Leave a comment on paragraph 31 0 4   http://www.lehrplan.ch/

32 Leave a comment on paragraph 32 0 5   https://www.phzh.ch/de/ueber_uns/digital-learning-center/

Source: http://2014.gmw-online.de/441/