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e:t:p:M – ein Blended-Learning-Konzept für Großveranstaltungen

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Timo Hoyer, Fabian Mundt

Zusammenfassung

1 Leave a comment on paragraph 1 0 Der Beitrag stellt das von den Autoren an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe entwickelte Blended-Learning-Konzept e:t:p:M vor. Wir konzentrieren uns auf die Darstellung der vier Kernbestandteile des Konzepts, das für regelmäßig stattfindende Großveranstaltungen gedacht ist. Ein besonderes Gewicht liegt bei e:t:p:M in der Verschränkung von modernen Internettechnologien (Web-App) mit Präsenzveranstaltungen, die teils von Hochschuldozenten und teils von speziell ausgebildeten Studierenden (studentische Mentoren) übernommen werden. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung der Hochschullehre versteht sich e:t:p:M als ein integrativer Ansatz, der auf eine verbesserte Betreuungssituation von Studierenden insbesondere am Studienanfang und ein selbstbestimmtes Studium abzielt. Mehrere Evaluationen bescheinigen dem 2013 mit dem Hochschullehrpreis der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe ausgezeichneten Konzept eine erfolgreiche Umsetzung in der akademischen Lehre.1

1    Einleitung

2 Leave a comment on paragraph 2 0 Wie gestaltet sich Hochschullehre im 21. Jahrhundert? Das traditionsreiche Feld der akademischen Lehre wird zunehmend mit den herausfordernden Veränderungen eines technischen Fortschritts konfrontiert, der mit atemberaubendem Tempo neue, hochschuldidaktische Möglichkeiten eröffnet und deren zeitnahe und innovative Integration in das Lehrangebot verlangt. Die „Digitalisierung der Hochschullehre“ erscheint als notwendiger Vorgang einer sich entwickelnden Hochschullandschaft. Allerdings sind die damit verbundenen Möglichkeiten und Grenzen keineswegs ausgelotet (vgl. Bischof/von Stuckrad 2013). Der „Digitalisierungsprozess“ der Hochschullehre steht am Anfang. Auch wenn bereits vereinzelte hochschuldidaktische Konzepte („Inverted Classroom“, „MOOCs“ etc.) praktisch erprobt wurden, kann (noch) von einer „schlafenden Revolution“ ausgegangen werden (vgl. Bischof et al., 2013).

3 Leave a comment on paragraph 3 0 Vor diesem Hintergrund wurde e:t:p:M als ein Blended-Learning-Szenario (Kerres, 2013: 7ff.) konzipiert, das die Stärken digitaler Medien mit den Vor­zügen präsenzbasierter Lehre verbindet. Das Akronym e:t:p:M bringt diese systematische Integration akzentuiert zum Ausdruck. Der Buchstabe e verweist auf virtuelle Lernräume in Form von eLearningAngeboten, die in Bezug zu einer Theorie- und Textfundierung stehen (t). Physische Lernräume werden durch die Buchstaben p und M markiert, die darauf abheben, dass das Gesamtkonzept praxis- und präsenzbasiert ist und ein umfassendes Mentoringprogramm beinhaltet. e:t:p:M zeichnet sich also gerade dadurch aus, dass es virtuelle und physische Lernräume gleichberechtigt miteinander kombiniert und auf diese Weise eine Verbesserung der Lehr-Lernsituation anstrebt.

4 Leave a comment on paragraph 4 0 Dabei adressiert das Konzept einen spezifischen „Problemfall“ akademischer Lehre: die Großveranstaltung (z.B. regelmäßig stattfinde Einführungs­veranstal­tungen). Auch wenn das e:t:p:M-Konzept wenig an der katastrophalen Betreu­ungsrelation zwischen Dozierenden und Studierenden (vgl. Himpsl, 2014) ändern kann, ermöglicht es zumindest eine individuellere, differenzierte Unterstützung und Begleitung der Studierenden in kleineren Lehr-Lern-Settings. Das ist insbesondere in der Studieneingangsphase erforderlich, in der die Studierenden mit der für sie ungewohnten akademischen Lehr-Lern-Kultur konfrontiert werden. Hier wird der Grundstein für ein erfolgreiches, selbstorganisiertes Studium gelegt (vgl. Krawietz, Raithelhuber & Roman, 2014).

5 Leave a comment on paragraph 5 0 In den folgenden Abschnitten werden die Gestaltung der virtuellen und physischen Lernräume und deren systematischer Zusammenhang skizziert. Um dem „konzeptionellen Gerippe“ etwas empirischen Gehalt zu verleihen, gibt der abschließende Ausblick gleichzeitig Einblicke in studentische Rückmeldungen, die mehrfach durchgeführten Evaluationen entnommen sind.

2    Virtuelle Lernräume: Online-Lektionen, Literatur
und Web-App

2.1   Online-Lektionen

6 Leave a comment on paragraph 6 0 Das Zentrum des eLearning-Angebots von e:t:p:M bilden Online-Lektionen. Dabei handelt es sich um im Studio aufgenommene und nachbearbeitete Videos mit einer Länge von rund 30 Minuten. Damit dauern die Online-Lektionen einerseits erheblich länger als die Videoanteile der derzeit viel diskutierten MOOCs, POOCs oder SPOCs. Andererseits sind die einzelnen Lektionen deutlich kürzer als traditionelle Vorlesungen. Der zeitliche Umfang von ca. 30 Minuten ist theoretisch mit den Aufmerksamkeitskapazitäten von Studierenden zu begründen (vgl. Gerbig-Calcagni, 2009) und hat sich in der Praxis bewährt. Er erlaubt es, komplexe Inhalte (Theorien, historische Prozesse, empirische Sachverhalte etc.), die z.B. in den Sozial- und Geisteswissenschaften elementar sind, ununterbrochen im systematischen Zusammenhang darzustellen. Überdies können die Studierenden einer kompakten und hochgradig verdichteten Wissensvermittlung in zirka 30 Minuten konzentriert folgen; längere digitale Kurse werden der Erfahrung nach selten in einem Zug angeschaut.

8 Leave a comment on paragraph 8 0 Abb. 1:    Standbild einer Online-Lektion

9 Leave a comment on paragraph 9 0 Jede Online-Lektion ist das Ergebnis einer umfassenden Produktions- und Postproduktionsphase. Neben einem auf das jeweilige Thema visuell vorbereitenden Intro und einem standardisierten Abspann (u.a. mit Copyrighthinweisen) besitzt jede Lektion wiederkehrende ästhetische Merkmale, die den Vortrag der Sprecherin oder des Sprechers illustrieren, ergänzen, vertiefen und die Rezeption sowohl intensivieren als auch erleichtern. Zu nennen sind eingeblendete „Pinnwände“, die besonders relevante oder im Vortrag unterlassene Informationen (Jahresdaten etc.) teils vollbildlich, teils im Bildhintergrund enthalten. Die Lektionen sind in thematische Abschnitte untergliedert, die durch sog. „Fähnchen“ gekennzeichnet sind. Dabei handelt es sich um Einblendungen am unteren Bildschirmrand, die eine inhaltliche Einheit bezeichnen. Größere inhaltliche Abschnitte werden durch visuell gestaltete Kapiteleinblendungen markiert. Insgesamt entsteht dadurch eine sorgfältige, übersichtliche Strukturierung des jeweiligen Themas. In der Regel sind pro Online-Lektion ca. 30 „Fähnchen“ angemessen. Längere Zitate werden vollbildlich dargestellt und durch eine zweite Sprechstimme vertont. Zur Veranschaulichung der Inhalte werden Bilder, Grafiken, Diagramme, Buchcover etc. eingeblendet. Abbildung 1 zeigt ein Standbild einer Online-Lektion. Zu sehen ist neben dem Sprecher ein „Fähnchen“ und eine „Pinnwand“.

10 Leave a comment on paragraph 10 0 Eine Gesamtveranstaltung besteht derzeit aus 11 Online-Lektionen, die wöchentlich für die Studierenden freigeschaltet werden.

2.2   Literatur

11 Leave a comment on paragraph 11 0 Die Online-Lektionen vermitteln in verdichteter, visualisierter Form Theorie­zugänge zu elementaren Feldern und Fragestellungen der Fachdisziplin, in unserem Fall der Allgemeinen und Historischen Erziehungswissenschaft. Digitalisierte Medien sind eine Erweiterung herkömmlicher Lehr-Lern-Medien, sollen diese aber nicht zum Verschwinden bringen (vgl. Petko, 2014: 104ff.). Wissen­schaftliche, hermeneutische Textarbeit etwa bleibt eine bedeutsame Praxis, die die Studierenden besonders in stark von Theoriedebatten geprägten Fächern erlernen und ausüben müssen.

12 Leave a comment on paragraph 12 0 Zu jeder Online-Lektion wird den Studierenden deshalb ein Text zur Verfügung gestellt, der die in der Lektion angesprochene Thematik weiterführt. Hierbei handelt es sich um Primär- oder Sekundärliteratur unterschiedlicher Gattungen (Wissen­schaftliche Texte, Essays, literarische Texte, Vorträge). Bewährt hat sich ein Gesamtumfang von rund 200 bis 230 Seiten. Jedem Text werden Bearbeitungshinweise, spezifische Fragen und Aufgaben sowie weiterführende Literaturangaben hinzugefügt. Sämtliche Texte werden einheitlich typographiert (keine eingescannten Texte), mit einer durchgehenden Seitenzählung und laufenden Zeilennummerierungen versehen, was die Lektüre und die gemeinsame Bearbeitung erleichtert.2

2.3   Web-App

13 Leave a comment on paragraph 13 0 Die Qualität und Akzeptanz eines eLearning-Angebots steigt und fällt mit seiner Benutzerfreundlichkeit und Zugänglichkeit (vgl. Marcus, 2013). Es genügt nicht, qualitativ hochwertige Online-Lektionen und adressatengerecht aufbereitete Literatur zur Verfügung zu stellen. Die Art und Weise, wie dieses Angebot präsentiert und verfügbar gemacht wird, ist von entscheidender Bedeutung. Im Rahmen von e:t:p:M haben wir eine Web-App entwickelt, die den spezifischen Anforderungen des Konzepts und den Ansprüchen der Studierenden gerecht wird. Es ist bewusst auf die Adaption bestehender LMS wie Stud.IP, ILIAS oder Moodle verzichtet worden, wenngleich eine Schnittstelle zu diesen integriert wurde (z.B. um Zugangsdaten zu übertragen). Die e:t:p:M Web-App basiert auf modernen Internettechnologien und folgt den Prinzipien des „Responsive Web Design“ (Marcotte 2011)3: Derselbe Inhalt wird je nach Endgerät optimal zur Verfügung gestellt – sowohl auf Personal Computern als auch auf Tablets und Smartphones (Abbildung 2).

15 Leave a comment on paragraph 15 0 Abb. 2:    Responsive Web-App

16 Leave a comment on paragraph 16 0 Der Funktionsumfang der Web-App umfasst vier Bereiche. Erstens macht sie die digitalen Inhalte (Online-Lektionen und Literatur) zugänglich. Zweitens ermöglicht sie einen einfachen Zugriff auf allgemeine Informationen. Drittens bietet sie einen umfassenden „Häufig gestellte Fragen“-Bereich an, und viertens erlaubt sie eine einfache Kommunikation zwischen Studierenden und Dozierenden (Meldungen, Kontaktformulare).

17 Leave a comment on paragraph 17 0 Insbesondere dem ersten Punkt kommt eine große Bedeutung zu, da keine andere Möglichkeit besteht, die Inhalte der Veranstaltung abzurufen. Vor diesem Hintergrund wurde ein HTML5-Videoplayer integriert. Das hat zwei Vorteile. Zum einen können die Online-Lektionen unabhängig vom jeweiligen Abspielgerät jederzeit betrachtet werden („mobiles Lernen“). Zum anderen kann auf externe Anbieter mit ggf. problematischen Datenschutz- und Urheber­rechts­bestimmungen verzichtet werden.4 Darüber hinaus bietet der Videoplayer der Web-App Interaktionsmöglichkeiten, die auf die weiteren Bestandteile von e:t:p:M abgestimmt sind und über eine bloße Rezeption der jeweiligen Online-Lektion hinausgehen. Das ist beispielsweise eine interaktive Timeline, die es ermöglicht, je nach Bedürfnis direkt zu einem „Fähnchen“ (und somit zu einer Themeneinheit) der Online-Lektion zu springen. Es ist außerdem möglich, über ein eingeblendetes Feld zu jedem „Fähnchen“ eine individuelle Notiz (Querverbindungen, Eselsbrücken, Anmerkungen etc.) zu verfassen (max. 500 Zeichen). Diese wird verschlüsselt und personalisiert in einer Datenbank gespeichert und lässt sich jederzeit ergänzen, ändern, löschen. Damit solche Videoannotationen auch in den Präsenzveranstaltungen fruchtbar gemacht werden können, besteht jederzeit die Möglichkeit, diese als PDF-Dokument herunterzuladen (Abbildung 3).

19 Leave a comment on paragraph 19 0 Abb. 3:    Notizfunktion

20 Leave a comment on paragraph 20 0 Neben der Wiedergabe der Online-Lektionen und den damit verbundenen interaktiven Elementen können die jeweiligen Texte heruntergeladen werden. Sie werden als einheitlich formatiertes PDF-Dokument zur Verfügung gestellt.

3    Physische Lernräume: Präsenzveranstaltungen und studentisches Mentoring

21 Leave a comment on paragraph 21 0 Der Einsatz von digitalen Medien, die die Großveranstaltung weitgehend ersetzen, gestattet die Bildung von kleineren Lehr-Lern-Gruppen, in denen eine unmittelbarere, kommunikative und handlungsorientierte Bearbeitung der Themen möglich ist. Dieser Intention folgend beinhaltet e:t:p:M mehrere präsenzbasierte Lehr-Lern-Einheiten.

3.1   Präsenzveranstaltungen

22 Leave a comment on paragraph 22 0 Insgesamt können hier vier verschiedene Typen unterschieden werden.

23 Leave a comment on paragraph 23 0 1. Einführungsvorlesung

24 Leave a comment on paragraph 24 0 Die Gesamtgruppe (im konkreten Fall um die 700 Studierende) wird vom Dozenten über das Format, den Ablauf und den inhaltlichen „roten Faden“ der Veranstaltung informiert.

26 Leave a comment on paragraph 26 0 Die Gesamtgruppe wird über ein spezielles Zuordnungssystem in 15 etwa gleich große Kleingruppen (Mentoriate) geteilt. Diese Gruppen treffen sich wöchentlich zu festgelegten Zeiten mit ihren studentischen Mentoren (pro Mentoriat jeweils ein Tandem). Die Mentoren sind Studierende höherer Semester, die zu diesem Zweck in einem Zertifikatsstudium ausgebildet werden (siehe 3.2). Sie unterstützen und beraten die Studierenden bei der Aneignung der Stoffe, beim Umgang mit wissenschaftlichen Texten, bei generellen Fragen zum Studium und bei der Klausurvorbereitung. Die Dozenten können nach vorheriger Absprache an einzelnen Veranstaltungen teilnehmen.

27 Leave a comment on paragraph 27 0 3. HGF-Vorlesungen

28 Leave a comment on paragraph 28 0 Nach jeder thematischen Einheit (zwei- oder dreimal im Semester) finden sog. „Häufig gestellte Fragen“-Vorlesungen für die Gesamtgruppe statt. Hierfür sammeln die Mentoren im Vorfeld inhaltsbezogene Fragen der Studierenden, reichen sie an die Dozenten weiter, die sie in den Vorlesungen besprechen. Zudem können sich die Studierenden jederzeit auf der Web-App in der dort eingerichteten HGF-Seite über alle wesentlichen Fragen zum formalen Ablauf der Gesamtveranstaltung und zur Klausur informieren.

29 Leave a comment on paragraph 29 0 4. Abschlussvorlesung

30 Leave a comment on paragraph 30 0 Eine Woche vor der abschließenden Prüfung findet eine Vorlesung für die Gesamtgruppe statt, in der insbesondere die Modalitäten der Prüfung, nochmals offene Fragen und die Ergebnisse der Evaluation thematisiert werden.

3.2   Studentisches Mentoring

31 Leave a comment on paragraph 31 0 Zirka 30 studentische Mentoren begleiten und unterstützen die Erstsemester­studierenden beim Übergang von der schulischen in die akademische Lehr-Lern-Kultur. Mit dem Übergang von der Schule zur Hochschule ändert sich für die Studierenden die Lehr-Lernumwelt auf gravierende Weise. Jüngere Untersuchungen weisen auf Krisen und Kontinuitäten dieser bildungsbiografischen Statuspassage hin (vgl. Bornkessel & Asdonk, 2011). Im Zuge dessen gewinnt die hochschuldidaktische Gestaltung der Studieneingangsphase an Aufmerksamkeit. Dahinter steht die Erkenntnis, dass eine konfliktarme Transition Schule-Hochschule von ausschlaggebender Bedeutung ist, um das Studium motiviert und erfolgreich zu absolvieren (vgl. Krawietz et al., 2014). Viele Studierende tun sich mit der Umstellung auf die ungewohnte Lehr-Lernkultur der Hochschule allerdings schwer. Unterstützungsangebote, die einen gelingenden Studienbeginn und einen selbstverantwortlich gestalteten Studienverlauf erleichtern, sind notwendig (vgl. Schmitt, 2010). Diese Aufgabe können sinnvollerweise Studierende übernehmen, die sich in einem fortgeschrittenen Studiensemester befinden und auf eigene, vergleichbare Erfahrungen und Lernschritte wie die Studienanfänger zurückblicken. Untersuchungen bestätigen, dass das Mentoring in der Studieneingangsphase verglichen mit vorlesungs- und dozentenzentrierten Lehrformen das aktive Lernen stärker erhöht und die psychischen Belastungen der Studierenden verringern hilft (vgl. Öhlschlegel-Haubrock, Rach & Wolf, 2014).

32 Leave a comment on paragraph 32 0 Die Mentoren müssen für ihre Tätigkeit ausgebildet und in ihrer Arbeit ihrerseits professionell begleitet und betreut werden. Das Zertifikatsstudium Mentoring verfolgt das Ziel, Studierende höherer Semester darin zu qualifizieren, dass sie Studienanfänger/innen beim Übergang von der schulischen zur akademischen Lehr-Lern-Kultur unterstützen, dass sie wissenschaftliches Denken und Arbeiten in den jeweiligen Fächern anbahnen, den Theorie-Praxis-Transfer herstellen helfen, bei der Klärung und Aneignung von fachspezifischen Inhalten beraten und den Weg zu einem selbstverantwortlichen Studium begleiten. Das Zertifikatsstudium umfasst 15 CP und kann sich über zwei oder mehrere Semester erstrecken. In Seminaren erwerben die Studierenden a) Kompetenzen zur beratenden Unterstützung selbstverantwortlichen Studierens (Studiencoaching, Lernstrategie- und Zielentwicklung, Zeitmanagement etc.), sie werden b) in Methoden und Techniken wissenschaftlichen Arbeitens eingeführt (Recherche, Hermeneutik, wissenschaftliches Schreiben etc.), und sie erlernen c) Lehr-Lern-Methoden, die insbesondere den Umstand berücksichtigen, dass in der Eingangsphase des Studiums zumeist noch keine Vorerfahrungen mit der akademischen Lehr-Lern-Kultur vorhanden sind. In einer obligatorischen Blockveranstaltung in der ersten Woche des Wintersemesters werden die Zertifikatsstudierenden inhaltlich und methodisch auf das konkrete Mentoriat vorbereitet. Das Zertifikat erhalten die Studierenden nach erfolgreicher Durchführung des Mentoriats. Als Leistungsnachweis gilt eine schriftliche Ausarbeitung, in der das Mentoriat dokumentiert und reflektiert wird. Den Mentoren wird nahegelegt, dass sie ihr Angebot der Studierendenbegleitung auch nach Erwerb des Zertifikats in fachbezogen oder fächerübergreifend zusammengesetzten Gruppen aufrecht erhalten.

4    Einblicke – e:t:p:M als Lehr-Lern-Kontext

33 Leave a comment on paragraph 33 0 Bisher wurden zwei Evaluationen des e:t:p:M-Konzepts durchgeführt und ausgewertet. Beide Male nahmen überdurchschnittlich viele Studierende daran teil: im Wintersemester 2012/2013 40% (n = 285) und im Wintersemester 2013/2014 26,8% (n = 185). Der Fragebogen umfasst insgesamt mehr als 80 Items, die sich sowohl auf das Gesamtkonzept als auch auf die vier Bestandteile von e:t:p:M beziehen. Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse der Evaluation zusammenfassend dargestellt. Alle interpretierten Resultate finden sich in Abbildung 4.5

35 Leave a comment on paragraph 35 0 Abb. 4:    Evaluationsergebnisse (Auszug)

36 Leave a comment on paragraph 36 0 Der Anlage nach zielt e:t:p:M auf eine systematische Integration virtueller und physischer Lernräume. Dass dieser Anspruch gelingt, wird durch die Rückmeldung der Studierenden bestätigt. Eine deutliche Mehrheit bescheinigt dem Gesamtkonzept eine sinnvolle Integration der einzelnen Bestandteile. Diese positive Bewertung wird noch deutlicher, wenn man nach der nachhaltigen Wirkung des Blended-Learning-Konzepts im Hinblick auf das eigenverantwortliche Lernen – gemeinhin als „Schlüsselkompetenz“ erfolgreichen Studierens angesehen – fragt. Nahezu alle Studierenden stimmen zu, durch e:t:p:M in ihrem eigenverantwortlichen Lernen gefördert worden zu sein.

37 Leave a comment on paragraph 37 0 Gleichwohl fördert die Konzeption die Studierenden nicht nur, es fordert sie auch. Zwar ist sich die Mehrheit der Studierenden sicher, durch die integrativen Lernformen viel und mehr als in anderen Einführungsveranstaltungen gelernt zu haben, allerdings mussten sie dafür auch einige Lernzeit investieren. Die gegenüber 90-minütigen Vorlesungen verkürzten, aber inhaltlich sehr dichten Online-Lektionen, die mehrfach anzuschauen sind, führen zu keiner Zeitersparnis, was auch nicht beabsichtigt ist. Den meisten Studierenden kommt insbesondere die weitgehend unabhängige Wahl eines individuellen Lernorts und einer individuellen Lernzeit sehr entgegen. Sie bevorzugen das Online-Format eindeutig im Vergleich zu einer klassischen Vorlesung mit ca. 300 bis 400 Personen. Dabei ist es gerade die dauerhafte Verfügbarkeit der Inhalte und die Unabhängigkeit von festen Vorlesungsterminen, die positiv bewertet werden. Dass man dadurch vom Internet abhängig ist, stört wenige der „Digital Natives“. Vielmehr ist es gerade die hohe Qualität und Funktionalität der Responsive Web-App, die geschätzt wird. Diese Einschätzung lässt sich auch durch die Zugriffsstatistik stützen. Pro Semester konnten ca. 13.000 Videoabspielungen und 40.000 Web-App-Zugriffe verzeichnet werden. Darüber hinaus wird der Umfang, die Gestaltung und der Anspruch der 30-minütigen Online-Lektionen in diesem Zusammenhang als äußerst gelungen und passend bewertet.

38 Leave a comment on paragraph 38 0 Bei aller positiven Bewertung des eLearning-Angebots sollen die anderen drei gleichberechtigten Bestandteile nicht ausgeklammert werden. So konnten die Mentorinnen und Mentoren die Studienanfänger/innen bei ihrem Übergang von der Schule in die Hochschule gut unterstützen. Und auch wenn eine leichte Tendenz besteht, dass die Erstsemesterstudierenden die Dozierenden gerne öfter erlebt hätten, gaben die meisten an, dass ihnen die Mentoren und Mentorinnen bei der Klärung inhaltlicher Fragen helfen konnten. Dass die Mentoriate im Tandem geleistet wurden, wurde dabei als besonders vorteilhaft wahrgenommen. Positiv zu werten ist ferner, dass sich das arbeitsintensive Zertifikatsstudium einer sehr großen Nachfrage erfreut. Darin besteht vielleicht die stärkste Anerkennung des hier vorgestellten Konzepts.

Literatur

39 Leave a comment on paragraph 39 0 Bischof, L., Friedrich, J.-D., Müller, U., Müller-Eiselt, R. & von Stuckrad, T. (2013). Die schlafende Revolution. Zehn Thesen zur Digitalisierung der Hochschullehre. Gütersloh: CHE. Verfügbar unter http://www.che.de/downloads/Im_Blickpunkt_Thesen_zur_Digitalisierung_der_Hochschullehre.pdf [09.05.2014].

40 Leave a comment on paragraph 40 0 Bischof, L. & von Stuckrad, T. (2013). Die digitale (R)evolution. Chancen und Risiken der Digitalisierung akademischer Lehre. Gütersloh: CHE. Verfügbar unter http://www.che.de/downloads/CHE_AP_174_Digitalisierung_der_Lehre.pdf [09.05.2014].

41 Leave a comment on paragraph 41 0 Bornkessel, P. & Asdonk, J. (Hrsg.). (2011). Der Übergang Schule – Hochschule. Wiesbaden: VS Verlag.

42 Leave a comment on paragraph 42 0 Gerbig-Calcagni, I. (2009). Wie aufmerksam sind Studierende in Vorlesungen und wie viel können sie behalten? Unveröffentlichte Dissertation, Pädagogische Hoch­schule Weingarten. Verfügbar unter http://d-nb.info/1000576183/34 [09.05.2014].

43 Leave a comment on paragraph 43 0 Himpsl, F. (2014). Betreuer, dringend gefragt. Die Zeit. 09/2014. Verfügbar unter http://www.zeit.de/2014/09/betreuungsrelation-professor-studenten [09.05.2014].

44 Leave a comment on paragraph 44 0 Kerres, M. (2013). Mediendidaktik. Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag.

45 Leave a comment on paragraph 45 0 Krawietz, J., Raithelhuber E. & Roman, N. (2014). Übergänge in der Hochschule. In W. Schröder, B. Stauber, A. Walther, L. Böhnisch & K. Lenz (Hrsg.), Handbuch Übergänge (S. 651–687). Weinheim/Basel: Beltz/Juventa.

46 Leave a comment on paragraph 46 0 Marcotte, E. (2011). Responsive Web Design. New York: A Book Apart.

47 Leave a comment on paragraph 47 0 Marcus, A. (Hrsg.). (2013). Design, User Experience, and Usability. Health, Learning, Playing, Cultural and Cross-Cultural User Experience. Berlin/Heidel­berg: Springer.

48 Leave a comment on paragraph 48 0 Öhlschlegel-Haubruck, S., Rach J. & Wolf, J. (2014). Förderung der Selbstwirksam­keits­erwartungen in der Studieneingangsphase mittels Mentoring. Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 9 (1), 23–35.

49 Leave a comment on paragraph 49 0 Petko, D. (2014). Einführung in die Mediendidaktik. Lehren und Lernen mit digitalen Medien. Weinheim/Basel: Beltz/Juventa.

50 Leave a comment on paragraph 50 0 Rees, D. (2014). Code Bright. Web application development for the Laravel framework version 4 for beginners. Vancouver: Leanpub.

51 Leave a comment on paragraph 51 0 Sauter, A., Sauter, W. & Bender, H. (2004). Blended Learning: effiziente Integration von E-Learning und Präsenztraining. Köln: Luchterhand.

52 Leave a comment on paragraph 52 0 Schmitt, L. (2010). Bestellt und nicht abgeholt. Soziale Ungleichheit und Habitus-Struktur-Konflikte im Studium. Wiesbaden: VS Verlag.

53 Leave a comment on paragraph 53 0 1   Website des Projekts: http://www.ph-karlsruhe.de/institute/ph/ew/etpm/.

54 Leave a comment on paragraph 54 0 2   Alle Texte wurden mit LaTeX gesetzt und an die Erfordernisse der Seminararbeit angepasst.

55 Leave a comment on paragraph 55 0 3   Bei der e:t:p:M Web-App handelt es sich um eine Client-Server-Anwendung. Die client-side der Web-App basiert auf HTML5, CSS3 und jQuery 2 (JavaScript). Die server-side verwendet das kostenfreie Open Source Framework Laravel, das in PHP geschrieben ist (vgl. Rees, 2014).

56 Leave a comment on paragraph 56 0 4   Die Web-App und alle Inhalte werden über das interne Hochschulnetz betrieben. Das moderate Anforderungsprofil der Applikation kommt diesem Anwendungsszenario entgegen.

57 Leave a comment on paragraph 57 0 5   Die detaillierten Ergebnisse beider Evaluationen sind online verfügbar: http://home.ph-karlsruhe.de/etpM/evaluationsergebnisse

Source: http://2014.gmw-online.de/249/